Eine psychosoziale Trennungsberatung beinhaltet die unterstützende Begleitung der gesamten inneren wie äußeren Ablösung – von der Ambivalenz, dem Entscheidungskonflikt, dem Erleben aller mit der Trennung verbundenen Emotionen über die Entscheidung bis zur Bewältigung der äußeren Auflösung der Beziehung, der Scheidung, und Neuorientierung an neuen Lebenszielen.
25.05.2012
Was fehlt mir? Wo will ich hin?
Es erfordert Mut, alle Facetten einer Beziehung zu beleuchten und zu wissen, was man will. Da hilft nur viel nachdenken. Oder sich Hilfe suchen. Wie beispielsweise bei einer psychosoziale Trennungsberatung. Expertin Mag. a Zehetner in einem Interview.
Wie geht es mir in 5 Jahren, wenn ich mich trenne?
Imaginieren Sie diese Frage. Wie Sie sich fühlen, was Sie tun, wie Sie leben, wie Ihre Umgebung aussieht, mit welchen Menschen Sie Kontakt haben. Malen Sie sich diese Zukunftsvariante möglichst lebendig und realistisch aus und achten Sie dabei, welche Gefühle diese Bilder in Ihnen hervorrufen. Etwas davon aufzuschreiben, kann sinnvoll sein. Nach einer Pause sehen Sie sich die andere Variante Ihrer Zukunft an: „Wie geht es mir in 5 Jahren, wenn ich mich getrennt habe?“ Wieder stellen Sie sich möglichst lebendig vor, wie Ihr Leben dann aussehen könnte. Was tun Sie Neues? Welche Freiräume haben Sie? Was fehlt Ihnen? Von welchen Belastungen sind Sie frei? Welche neuen Aktivitäten, welche neuen Menschen bereichern Ihr Leben? Lassen Sie auch hier die auftauchenden Gefühle auf sich wirken.
Was tut mir gut, woran hänge ich?
Die eigenen Anteile sowie die Anteile des Partners, genau hinzuschauen und sich ehrlich einzugestehen: Was tut mir gut, woran hänge ich? Und: Was schadet mir, was überfordert mich, was kränkt mich, was macht mich krank in dieser Beziehung? Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, für eine so wichtige Entscheidung. Sich nicht unter Druck setzen zu lassen, positive und negative Seiten der Beziehung gut zu abwägen, psychosoziale und rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen, um bei Bedarf auch mit einer außenstehenden Person zu einer Klärung zu finden. In der Beratung besteht kein Handlungsdruck.
Sich aussprechen über alles, was im Kopf ist
Sie können alles aussprechen, das was Sie traurig macht ebenso wie das was Sie wütend macht. Sie können sich Wunschszenarien ausmalen und Sie können über das reden, was Ihnen Angst macht. Sie dürfen widersprüchliche Gefühle äußern, erzählen warum Sie es so nicht mehr länger in dieser Beziehung aushalten und warum Sie gleichzeitig Angst haben, Ihren Partner zu verlieren. All diese Emotionen haben ihre Berechtigung. Sie auszudrücken ermöglicht einen erträglichen Umgang damit.
Schweigen schwächt, machen Sie kein Geheimnis aus Ihren Konflikten
Eine Beratung unterstützt Sie bei dem, was Sie wollen. Machen Sie kein Geheimnis aus Ihren Konflikten, seien es Streit, Alkohol oder Gewalt. Darüber reden hilft und für die nötige Unterstützung durch Ihre Umgebung ist es wichtig, nicht alle Probleme zu vertuschen und geheim zu halten.
Schweigen schwächt, während das Reden über Ihre Angst, Trauer und Wut sowie ein soziales Netzwerk ganz wesentlich zu Ihrer Entlastung beitragen können. Frauen, die sich gern schriftlich ausdrücken, können das Schreiben für Ihren Klärungsprozess nützen: die eigene Beziehung aus der Perspektive einer außenstehenden Person beschreiben, somit in der 3. Person, somit: „sie“ statt „ich“. Das ermöglicht eine klarere Sicht auf das eigene Leben und die Beziehungsdynamik.
Schweigen schwächt, während das Reden über Ihre Angst, Trauer und Wut sowie ein soziales Netzwerk ganz wesentlich zu Ihrer Entlastung beitragen können. Frauen, die sich gern schriftlich ausdrücken, können das Schreiben für Ihren Klärungsprozess nützen: die eigene Beziehung aus der Perspektive einer außenstehenden Person beschreiben, somit in der 3. Person, somit: „sie“ statt „ich“. Das ermöglicht eine klarere Sicht auf das eigene Leben und die Beziehungsdynamik.
Schreiben kann helfen und entlasten
Als Onlineberaterin erfahre ich bei meinen Klientinnen immer wieder die positive Wirkung des Schreibens. Schreiben kann als innerer Dialog Klarheit, Struktur und Distanz zum eigenen Problem bewirken. Sich aus der eigenen Verstrickung „herausschreiben“ entlastet. Schreiben erlaubt, „verbotenen“ Impulsen Ausdruck zu verleihen, z.B. der eigenen Wut. Schreiben bietet – ebenso wie das Beratungsgespräch - einen Möglichkeitsraum zum Ausprobieren von Handlungen, zum Aussteigen aus alten Mustern und zum Entwickeln neuer Perspektiven.
Schreiben aktiviert die eigenen Ressourcen. Die Stärkung der eigenen Ausdrucksfähigkeit, das Erleben der eigenen Kreativität macht autonomer und handlungsfähiger und unterstützt dabei, die Autorinnenschaft für das eigene Leben zu übernehmen.
Schreiben aktiviert die eigenen Ressourcen. Die Stärkung der eigenen Ausdrucksfähigkeit, das Erleben der eigenen Kreativität macht autonomer und handlungsfähiger und unterstützt dabei, die Autorinnenschaft für das eigene Leben zu übernehmen.
Verantwortung und Schuld sind wichtige Themen im Trennungsprozess.
Sie sind nicht allein für den Zusammenhalt der Familie verantwortlich – das ist eine überfordernde Aufgabe. In meinen Beratungsgesprächen begegnet mir häufig ein enormes Leiden an nicht erfüllbaren Idealbildern von „heiler Familie“ oder auch „Mutterschaft“ und der Glaube, alle anderen Paare und Familien wären alle so harmonisch und glücklich miteinander wie Frau es selbst nicht zustande bringt. Diese Phantasien gleichen oft Heilserwartungen und entwickeln sich nicht selten zu illusionären Realitäts-Killern. Überzogene, mit dem tonnenschweren Gewicht ihrer „Perfektion“ erdrückende Ansprüche an sich selbst und den Partner, die Einheit und Harmonie der Beziehung können nur an der Realität zerbrechen, Enttäuschung und Scheitern bewirken. Darum sind die Ent-Idealisierung, die Verabschiedung unerreichbarer Ideale und die Entwicklung realistischer Bilder und Ziele so wichtig.
Die Heilung der „Hoffnungskrankheit“
Für eine gelungene Trennungsbewältigung ist auch das Aufgeben noch bestehender mit dem betreffenden Partner verbundenen Hoffnungen wichtig. Die Heilung der „Hoffnungskrankheit“ wie die Psychoanalytikerin Margarate Mitscherlich die Fixierung auf den Partner und die Verleugnung der Entfremdung nennt. Die oft jahrelange fixe Idee, der Partner möge sich doch irgendwann in die gewünschte Richtung ändern, lenkt ab von den eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und hemmt die Realisierung des eigenen Potenzials.
Niemand lässt sich gern gegen seinen Willen ändern.
Mit dem Veränderungswunsch können Sie daher sinnvollerweise nur bei sich selbst ansetzen, denn Veränderung erfordert Motivation, den Willen etwas anders zu machen und häufig einen gewissen Leidensdruck. Wer es zu bequem hat – wem es zu bequem gemacht wird – der will nichts ändern.
Bettina Zehetner
ist psychosoziale Beraterin im Einzel- und Gruppensetting in der Beratungsstelle des Vereins "Frauen beraten Frauen" mit den Schwerpunkten "Scheidungsbegleitung" und "Onlineberatung" (www.frauenberatenfrauen.at)
Initiatorin und Leiterin der interdisziplinären Fortbildungen "Frauenzentrierte Beratung bei Trennung und Scheidung" und "Psychosoziale Onlineberatung" am Institut für frauenspezifische Sozialforschung.
Lehrbeauftragte des Instituts für Soziologie an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Gendersensibilisierung und Gewalt.
ist psychosoziale Beraterin im Einzel- und Gruppensetting in der Beratungsstelle des Vereins "Frauen beraten Frauen" mit den Schwerpunkten "Scheidungsbegleitung" und "Onlineberatung" (www.frauenberatenfrauen.at)
Initiatorin und Leiterin der interdisziplinären Fortbildungen "Frauenzentrierte Beratung bei Trennung und Scheidung" und "Psychosoziale Onlineberatung" am Institut für frauenspezifische Sozialforschung.
Lehrbeauftragte des Instituts für Soziologie an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Gendersensibilisierung und Gewalt.


