"Materiell ist es oft nach einer Scheidung sehr, sehr eng." meint der Therapeut Rainer Orban. Es würde mitunter ein enormer Streit um die ohnehin schon knapperen Ressourcen und um die Kinder gehen. Da können Männer leicht in die Knie gehen und Existenzängste bekommen.
24.05.2012
Männerängste nach einer Scheidung
Rainer Orban, Supervisor, Coach, systemischer Therapeut und selbst Vater zweier Kinder beschäftigt sich seit Jahren damit, wie Vätern nach einer Scheidung geholfen werden kann. In einem Interview spricht der über die Ängste der Männer nach einer Scheidung und zeigt individuelle Lösungsansätze.
Gibt es geschlechtssepzifische Unterschiede bei der Verarbeitung von einer Trennung?
Rainer Orban: "Unterschiede gibt es ganz sicher. Das hat viele Gründe, die natürlich weit über das Ereignis Scheidung hinaus reichen, die auch schon weit vor der Ehe liegen. Männer, obschon gemeinhin ja alle „Kumpel“, sind doch oft Einzelkämpfer. Fakt ist aus unserer Sicht, dass Sie bereits in der Zeit der Ehe und eben auch danach sozial eher isoliert sind. Sie haben meist wenige Freunde, oft ist der Freundeskreis über die Frau oder die Arbeit definiert."
Wie verarbeiten Männer eine Scheidung konkret?
Rainer Orban: "Um eine lange Rede kurz zu machen: Ja, es gibt Unterschiede, Männer tun sich schwer. Sie verfügen nicht über das nötige Netzwerk. Zudem: „Indianer kennt keinen Schmerz!“ Männer neigen dazu ihr psychisches Leiden, oder besser ihre psychische Belastung zu bagatellisieren. Also, wenig Unterstützung, wenig Empfänglichkeit für das Schwachsein dürfen, wenig Möglichkeiten mit den Schwierigkeiten, die damit zu tun haben, umzugehen."
Mit welchen Ängsten sind Männer nach einer Scheidung konfrontiert?
Rainer Orben: "Materiell ist es oft sehr, sehr eng. Es entsteht mitunter ein enormer Streit um die, nach einer Scheidung ohnehin knapperen Ressourcen und um die Kinder - da kann man nicht nur in die Knie gehen, da kann man auch Existenzängste, ganzheitlich verstanden, bekommen. Der erste, im Oktober 2010 erschienene deutsche Männerbericht zeigt, dass das seelische Leiden von Männern auch von Seiten der Gesundheitsdienste viel weniger als solches erkannt wird."
Wie wirken sich seelische und gesundheitliche Leiden aus?
Rainer Orban: "Schon bei Jungen beginnt dies, gleiche Symptome bei Jungen und Mädchen führen zu unterschiedlichen Diagnosen. Mädchen werden dann depressiv diagnostiziert, Jungen erhalten das Label „Störung des Sozialverhaltens“. Dabei wird übersehen, dass die sicher oft aggressiven Jungen eben fast immer auch eine sehr depressive, hoffnungslose Seite haben. Schlechte soziale Beziehungen, wenig Gefühl der Selbstwirksamkeit. Männer wachsen mit solchen Fremd- und Selbstbildern auf. Innere Probleme werden nicht als solche wahr und ernst genommen. Das aggressive Ausagieren steht oftmals im Vordergrund. Die Existenznot dahinter verschwindet aus der persönlichen und öffentlichen Wahrnehmung."
Welche Ängste können in Bezug auf die eigenen Kinder entstehen?
Rainer Orban: "Die Angst die Kinder zu verlieren, die Angst die aktuelle Situation nicht bewältigen zu können, was wiederum die Angst verstärkt, die Kinder zu verlieren. Wahrlich manchmal ein Teufelskreis. Wissen Sie, es gibt wenig einfache Lösungen und Antworten – das nur am Rande bemerkt. Viele Paare, viele Männer bekommen die Transformation von der Kernfamilie zur getrennt lebenden Familie nicht hin und viele Kinder verlieren auf diesem Wege den Kontakt zu ihren Vätern."
Warum verlieren Kinder den Kontakt zu ihren Vätern?
Rainer Orban: "Väter trennen sich dann von ihren Kinder, weil sie es eben nicht mehr ertragen ihre eigenen Kinder, die sie über Jahre täglich um sich hatten, die sie womöglich von klein auf Tag für Tag zu Bett gebracht haben, die sie einfach lieben, nur noch alle 14 Tage zu sehen und das dann auch noch immer verbunden mit Ärger. Ich weiß, es ist immer schwer so etwas auszusprechen, doch es geht dabei nicht um Ideologie"
Um was geht es denn? Was steht im Mittelpunkt?
Rainer Orban: "Im Mittelpunkt steht immer die gesamte Familie. Wir sehen auch die Not der Mütter und erkennen diese ebenso an. Wir unterstellen grundsätzlich den Menschen meist, dass sie das Beste tun, was sie mit ihren Bordmitteln tun können. Die Mittel könnten besser sein, - doch Menschen so zu erziehen, dass sie mit Krisen adäquat umgehen können, das erfordert mehr als ein Interview."
Vielen Dank für das Interview!
Ein weiteres Interview mit Herrn Orban finden Sie im Artikel "Männer sollten keine Marionetten werden"
Vielen Dank für das Interview!
Ein weiteres Interview mit Herrn Orban finden Sie im Artikel "Männer sollten keine Marionetten werden"
Weiterführende Informationen
Rainer Orban
ist selbst Vater zweier Kinder - ist freiberuflich in seinem deutschen Institut Ochs und Orban als Fortbildner und Unternehmensberater tätig. Zudem arbeitet er als Systemischer Therapeut in eigener Praxis, sowie als Supervisor und Coach.
Kontakt:
Ochs und Orban Gbr
Institut für systemisches Arbeiten und Forschen in Sulingen bei Bremen
www.ochsundorban.de
orban@ochsundorban.de
Mehr zum Thema "Part der Väter" lesen Sie in der Printausgabe April 2011. Eine Kurzinformation zum Heft und Informationen für eine (Nach-)Bestellung finden Sie hier
ist selbst Vater zweier Kinder - ist freiberuflich in seinem deutschen Institut Ochs und Orban als Fortbildner und Unternehmensberater tätig. Zudem arbeitet er als Systemischer Therapeut in eigener Praxis, sowie als Supervisor und Coach.
Kontakt:
Ochs und Orban Gbr
Institut für systemisches Arbeiten und Forschen in Sulingen bei Bremen
www.ochsundorban.de
orban@ochsundorban.de
Mehr zum Thema "Part der Väter" lesen Sie in der Printausgabe April 2011. Eine Kurzinformation zum Heft und Informationen für eine (Nach-)Bestellung finden Sie hier


