Eine Unteruchung unter 600 iPhone-Nutzer der University of Michigan, die beim Kongress der American Association for Public Opinion Research vorgestellt wurde, zeigte eine überraschende Ehrlichkeit auf Fragen per SMS.
21.05.2012
Mehr Ehrlichkeit per SMS
Menschen sind bei der Beantwortung von Fragen ehrlicher, wenn sie eine SMS schreiben. Das sagt eine Studie der University of Michigan. Die Antworten auf Fragen per SMS waren aber nicht nur ehrlicher, sondern auch präziser und genauer.
Wir sind umso ehrlicher, je geringer der Fragesteller präsent ist
Was die Forscher bisher sicher sagen können, ist, dass Fragen nach der Regelmäßigkeit von Alkoholkonsum oder Training per SMS ehrlicher beantwortet werden als im Telefongespräch. "Das ist nicht neu. Die Theorie der sozialen Erwünschtheit besagt, dass die Antworten umso ehrlicher ausfallen, je geringer die soziale Präsenz des Fragestellers ist. Online und SMS haben hier Vorteile gegenüber Telefon und vor allem persönlichen Interviews. Gerade heikle Fragen wie Pornografie- oder Alkohol-Konsum sind von der sozialen Erwünschtheit betroffen. Der Zahnbürstenabsatz beispielsweise wäre Umfragen zufolge zwei- bis dreimal so hoch wie in der Realität", erklärt Marketagent.com-Geschäftsführer Thomas Schwabl.
In einem SMS sind wir exakter, genauer, präziser als in einem Gepräch
Laut den US-Forschern sind die Antworten per SMS auch exakter als jene, die im Gespräch gegeben werden. Die Frage nach der Anzahl der Songs am eigenen Telefon oder der Menge der im vergangenen Monat gesehenen Filme wurde in Kurznachrichtenform meist genau beantwortet, während im Gespräch oft gerundet wurde. Die Wissenschaftler führen dieses Ergebnis auf die Asynchronizität der SMS-Kommunikation zurück: Die Befragten haben schlicht mehr Zeit, ihre Antworten zu formulieren. Einige Experten sehen die größere Genauigkeit aber skeptisch: "Das würde ich so nicht unterschreiben. Unsere Studien haben gezeigt, dass die Unterschiede zwischen den Methoden sehr gering sind. Werden Menschen dieselben Fragen über unterschiedliche Kanäle gestellt, liegen die Antworten extrem nahe zusammen. Abweichungen gibt es etwa bei Skalierungen. Einschätzungen zwischen Werten von "sehr schlecht" bis "sehr gut" tendieren in persönlichen Interviews zu Extremwerten, weil der Fragesteller nicht bei jeder Frage alle Stufen der Skala wiederholt. Auf dem Papier sieht der Teilnehmer aber alle Möglichkeiten vor sich, die Streuung ist größer", sagt Schwabl.
Bringen nun Umfragen per Handy eine bessere Ergebnisse?
Die Studie, die den Testpersonen die Teilnahme mit iTunes-Gutschriften versüßte, soll künftig noch genauere Ergebnisse liefern. Unter anderem sollen Fragen nach Generations-Unterschieden oder Einflüssen durch maschinelle Fragensteller untersucht werden. Egal welche Erkenntnisse die Wissenschaftler auch gewinnen, einige Limitationen wird die SMS-Umfrage immer behalten. "Bei SMS-Befragungen sind Anzahl der Fragen und Platz für die Antworten beschränkt. Deshalb scheidet die Methode für umfangreiche Studien von vornherein aus", so Schwabl.
Nein, aber sie werden zunehmend ein Thema
Umfragen per Handys haben aber trotzdem Potenzial. "Durch die Verbreitung von Smartphones und die Zunahme von Flatrates sind Fragebögen auf dem Handy zunehmend ein Thema. Das wird in den nächsten Jahren ein großes Thema. Aber auch hier gibt es Limitationen. Diese Form der Befragung wird eher für kurze Meinungsumfragen in Verbindung mit NFC verwendet werden. Dann kriegen Kunden einen kurzen Fragebogen über das Angebot von McDonalds, wenn sie vor einer Filiale stehen", so Schwabl.

