Die größte Nuklearkatastrophe

Es war kurz vor halb zwei Uhr nachts am 26. April 1986 in Tschernobyl. Ein normaler Samstag. Es war still und ruhig. Niemand ahnte, dass sich in Kürze die größte Nuklearkatastrophe der Menschheit abspielen würde, mit der wir noch mehr als 30 Jahre später zu kämpfen haben werden.

Wolken mit dem radioaktiven Fallout verteilten sich damals schnell über die gesamte nördliche Halbkugel. Österreich zählte, aufgrund der herrschenden zahlreichen Regenfälle, zu den am stärksten betroffenen Gebieten Westeuropas.

Dort, wo auf der Karte die größte rote und belastete Stelle eingezeichnet ist, reiste meine Mutter damals. Dort befand sich unser zweites Zuhause. In Wien konnte sie mit unserem Hund nicht mehr gut in der Natur spazieren gehen. Dass die Natur der menschlichen Gesundheit schaden könnte, dieser Gedanke existierte nicht. Ob ein Zusammenhang bestand, dass sie ein einhalb Jahre später an Krebs erkrankte, werde ich nie beantworten können.

Bis heute verharmlost die Regierung in Moskau den GAU. Viele Menschen, die als Feuerwehrleute die Brände damals im Atomkraftwerk löschen mussten oder als Liquidatoren den Betonsarkophag um die explodierte Reaktorhalle bauten, starben sofort oder kurze Zeit nach dem Unfall. Viele andere von den geschätzten 600.000 Menschen, die an den Aufräumarbeiten beteiligt warem, erkrankten wenig später an Krebs.

Über die weltweiten gesundheitlichen Langzeitfolgen gibt es seit Jahren Kontroversen. Die WHO hält insgesamt weltweit ca. 8.000 Todesopfer (davon ca. 4.000 direkt zuzuordnen und weitere ca. 4.000 nachfolgend) für gesichert.

Eine Studie des britischen Radiologen und Experten für biologische Strahlenfolgen, Dr. Ian Fairlie, untersuchte die gesundheitlichen Auswirkungen des Atomunfalls in Tschernobyl. Er rechnet in den kommenden 50 Jahren mit bis zu 40.000 Krebstoten in Westeuropa infolge des Reaktorunfalls – mit bis zu 2.000 in Österreich. Der Wissenschafter geht davon aus, dass zwischen 8 und 40 % der erhöhten Fälle von Schilddrüsenkrebs in Österreich nach 1990 wahrscheinlich auf Tschernobyl zurückzuführen sind. Die Studie spricht auch von einem erhöhten Auftreten von Leukämie, Herzkreislauferkrankungen und Krebs, in besonders stark betroffenen Regionen.

Meine Mutter starb drei Jahre nach dem Reaktorunfall an den Folgen von Krebs.

Wir Menschen haben die Kapazität und Kompetenz, die Natur zu retten. Dass wir sie zerstören können, haben wir in Tschernobyl vor 32 Jahre ausreichend bewiesen. In Russland, der Ukraine und Weißrussland mussten ca. 6.400 km² an landwirtschaftlicher Fläche und Waldgebieten für die menschliche Nutzung aufgegeben werden, die nahe dem Kraftwerk gelegen und sehr hoch belastet waren.

Daraus müssen wir lernen. So etwas darf nie mehr passieren. Das ist unsere Entscheidung!

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