Es geht nicht immer weiter

Die Sprache dient uns lediglich als Hilfsmittel in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation. Denn was Sache ist, kann auch ohne Sprache vermittelt werden. Mit der bloßen Körpersprache, mit einem Blick. Schon ein kurzer Blick in einer kurzen Sekunde:

Meine Großmutter liegt im Sterben. Ihre Organe versagen, nach 93 Jahren.

Wir glauben, es geht immer weiter. Jeder Tag ist die logische Nachfolge des vorherigen Tages. Wir glauben dies auch noch, wenn ein Mensch im Spital liegt und sterbenskrank ist und können uns ein Leben ohne diesen Menschen gar nicht vorstellen.

Ich kann es nicht. Mein Bewusstsein kann es nicht. Und will es wahrscheinlich auch gar nicht. Mein Verstand liebt Gewohnheiten, nur keine Abweichungen. Also kann es meine Sprache auch nicht. Ich kann mich über den Tod kaum ausdrücken, mir fällt das schwer.

Sie lesen es gerade.

Aber ich frage mich: Müssen wir denn? Nein, denn unser Körper kann es: Als ich gestern Abend das Spital verließ, streifte mich ein ganz kurzer Blick einer Krankenschwester, welche neben dem Bett meiner Großmutter stand. Es war nur ein ganz kurzer Blick, der alles sagte.

Sie beschrieb mit ihrer Körperhaltung und ihrem Blick den Zustand meiner Großmutter,  bedauerte mich, wünschte mir Beileid und kündigte mir an, dass ich sie nicht mehr wiedersehen werde.

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