Dr. Stephan Barth / pixelio.de
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Leugnen – 10.04.20

Die Corona-Krise ist nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Krisen, die kommen werden. Mit diesem Gedanken wachte ich heute Morgen – am Tag 27 – auf. Um das hier zu schreiben muss ich keine Hellseherin sein. Ich zähle nur 1+1 zusammen. Gelegenheit hatte ich dafür reichlich in dieser Woche. Denn Mittwoch 8.4.20 durfte ich ein ganztägiges Online-Seminar an der Donau Universität Krems zum Thema „Alles Greta, oder was? – Kommunikation im Klimawandel“ gemeinsam mit meinem Mann halten.

Wir haben über die Ursachen des Klimawandels gesprochen. Über von uns Menschen ausgelöste Umweltkatastrophen, wie beispielsweise in Seveso Fukushima oder Tschernobyl. Denn während es früher vor allem Naturereignisse waren, die zu Zerstörungen und Umweltbelastungen führten, ist heute der Mensch die häufigste Ursache dafür. Wir haben auch über unsere schädliche Lebens- und Konsumweise gesprochen. Über den damit verbündenden Verlust an Biodiversität, an Boden, an Süßwasser. Über unsere Verschmutzung von Land und Meeren. Über den Abbau und Verbrauch an Ressourcen. Und schließlich über das Erreichen der planetarischen Grenzen.

Ich zähle eben nur 1+1 zusammen. Das geht sich für uns Menschen hier auf diesem Planeten nicht aus. Dennis Meadow rechnete sich die „Grenzen des Wachstums“ bereits im Jahr 1972 aus. Warum haben wir damals nicht zeitgerecht eingelenkt? Wer weiß, wie bewusst Kommunikationsstrategien eingesetzt werden können, kennt auch die Antwort: Greenwashing, öffentlich verbreitete Falschmeldungen und ein Netzwerk von Leugnern.

Ein Beispiel: Eine gemeinsame Untersuchung von CORRECTIV und Frontal21 im Dezember 2019 zeigt, wie das American Heartland Institute die Leugner des Klimawandels in Deutschland unterstützt, um Klimaschutzmaßnahmen zu untergraben. Die Journalist*innen haben sich verdeckt mit dem Chef des Instituts getroffen. Er erzählte, wie das Netzwerk der Klimawandel-Leugner funktioniert, wie Spenden getarnt sind und wie sie einen deutschen YouTuber nutzen wollen, um junge Menschen zu erreichen.

Oder ein anders Beispiel: In der Branchenzeitung readING (Ausgabe 87, S. 9) des Wirtschaftskammer-Fachverbands der Ingenieurbüros wurde vor den WKO Wahlen die anthropogen verursachte Klimakrise geleugnet. Im Artikel wird bewusst unsachlich die Klimamodellen des IPCC kritisiert und behauptet: “Eine wissenschaftlich offene Frage ist, wie stark die CO2-Zunahme in der Atmosphäre zur aktuellen Klimaerwärmung beiträgt.” Friday for Future hat dies auf ihrer Facebook-Seite gut dargestellt.

Es gäbe noch sehr viele Beispiele und ich habe auch Beispiele und Kennzeichen dieser Kommunikationsstrategien am Mittwoch im Online-Seminar den Teilnehmer*innen vorgestellt. Über die Antwort einer Teilnehmerin war ich sehr dankbar. Sie meinte: „Das war mir nicht bewusst.“ Heute Morgen habe ich daher beschlossen, die Corona-Krise dazu zu nützen, um diese Kommunikationsstrategien bewusster zu machen.

Fotocredit:  Dr. Stephan Barth  / pixelio.de

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