Was brauchen Kinder, wenn Eltern sich trennen?

Diese Frage stand im Zentrum einer Diskussionsrunde, zu der Evelyne Huber anlässlich der Präsentation des Heftes „Scheidung“ mit dem Thema „Kinder“ am 1. Apri 2011 ins Kindermuseum ZOOM im Wiener Museumsquartier einlud. Am Diskussionstisch saßen fünf Experten:

  • Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack, Geschäftsführerin RAINBOWS-Österreich, www.rainbows.at
  • Ilse-Maria Freyenschlag, Psychotherapeutin mit Kinderpraxis, Mediatorin, www.freyenschlag.psy.at.tf
  • Dr. Alfred Kriegler, Rechtsanwalt Familienrecht, www.divorce.at
  • DSA Monika Pinterits, Leiterin Kinder- & Jugendanwaltschaft, www.kja.at
  • Mag. Doris Täubel-Weinreich, Vorsitzende der Fachgruppe Familienrecht der österr. Richtervereinigung, www.richtervereinigung.at

„Kinder brauchen Klarheit“

so Pinterits und „Eltern, die miteinander zurecht kommen.“ Erwachsene würden oftmals glauben, dass sie Kinder schützen können, indem sie sie von allem Schlechten fern halten. Das wäre aber nicht der Fall. Auch Bojdunyk-Rack meint dazu: „Klarheit, Information und Schutzgefühle“ und sie erzählt aus ihrer Rainbows-Praxis, dass Kinder sich oft schämen, wenn ihre Eltern sich trennen. Sie würde dann glauben, sie sind die einzigen, deren Eltern geschieden oder getrennt sind. In den Rainbows-Gruppen von Gleichaltrigen und Gleichbetroffenen merken sie dann, dass sie durchaus nicht die Einzigen sind.

„Vernünftige Eltern“

so Kriegler. Als Familienanwalt könne er den Konflikt, der zwischen den Eltern besteht, zwar nicht rückgängig machen. Er könne aber versuchen, Emotionen herauszunehmen und Eltern nahe zu legen, dass Kinder nicht instrumentalisiert werden dürfen. Mag. Täubel Weinreich meint dazu: „Richter müssen entscheiden. Mir wäre es aber lieber, wenn ich gar nicht notwendig wäre und alle Eltern könnten sich ihre Konflikte wo anders oder gar selbstständig lösen.“ Jeden Tag, in jeder Situation würde sie dauernd nur hören, dass alle das Beste für ihr Kind wollen. Aber das Beste für ein Kind sei immer nur das, was Kinder auch wollen und brauchen. Pinterits bringt es kurz und prägnant zu Punkt: „Vernunft zu verordnen, ist schwierig. Vernunft muss erarbeitet werden“.

„Sicherheit“

so Täubel-Weinrich. Diese sei für Kinder überhaupt lange Zeit nicht gegeben, wenn Gerichte entscheiden müssen. „Sicherheit und Verlässlichkeit“ so auch Freyenschlag. Denn es sei  für Kinder sehr wichtig, dass Abmachungen transparent sind und eingehalten werden. Bojdunyk-Rack fügt dazu an: „Wenn Kinder erleben, dass Verlässlichkeit nicht gegeben ist, dass ein Elternteil Vereinbarungen nicht einhält, dann ist für das Kind nicht spürbar, dass tatsächlich Interesse vorhanden ist, eine Beziehung mit dem Kind zu leben.“

„Kinder gehören nicht vor Gericht entschieden“

„Das wäre wirklich der Appell an alle“, so Täubel-Weinreich. Zustimmung erhält sie von Kriegler, der meint, dass das Besuchsrecht absolut weg vom Gericht gehöre und vollkommen ausgegliedert in andere Einrichtungen. Dahin, wo neutrale Profis mit den Kindeseltern Lösungen erarbeiten könnten. Auch die Obsorge gehöre von der Scheidung vollkommen entkoppelt, sodass Kinder hinter einem Scheidungsdeal nicht mehr weiterhin eine wirtschaftliche Größe seien. Pinterits meint ebenfalls dazu „weg vom Gericht und hin in eine eigene Stelle, die Menschen Unterstützung und Hilfe geben, um gemeinsame Lösungen entwickeln zu können“. Wobei es eben meistens so sei, dass nicht beide Elternteile zur gleichen Zeit die Trauerarbeit geleistet hätten und einer immer hintennachhängt. „Da darf man dann die Elternteile auch nicht überfordern, sondern muss erst einmal daran arbeiten, sodass sich dann etwas Gemeinsames für die Kinder entwickeln kann“.

„Prävention muss präsent werden

so Freyenschlag. In unserer Gesellschaft müsse präsent gemacht werden, wie es Kindern in Krisensituationen geht und wie ihnen geholfen werden könne. Und das Bewusstsein müsse entwickelt werden, dass Kinder kein Besitz, sondern nur uns anvertraut seien. Freyenschlag würde sich auch wünschen, dass wir unsere Emotionen auf der Erwachsenenebene klären lernen und Kinder nicht damit belasten. Denn wenn Eltern in schwierigen Beziehungen leben, würden sich Kinder sehr oft zum Symptompträger entwickeln und Störungsverhalten zeigen. Diese seien sehr unterschiedlich je nach Alter des Kindes und würden bei Kleinkindern sehr viel anders aussehen, als bei Jugendlichen.

 

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