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Verwundbarkeit – 14.05.20

Die Corona-Pandemie stellt die Verwundbarkeit des Menschen und unserer Gesellschaft auf brutale Weise bloß,“ das sagt der Psychotherapeut und Autor Wolfgang Martin Roth. Roth bringt die momentane Situation für mich treffend auf den Punkt: Wir sind uns im aktuellen Alltag vielleicht gar nicht bewusst, wie wichtig unbefangene und umbeschwerte menschliche Begegnungen für uns sind und wie verwundbar wir uns fühlen, wenn wir diese nicht haben. Wie jetzt, weil Angst und Mißtrauen bei jedem persönlichen Kontakt mitschwingen, da ja der Andere ein potenzieller Infektionsüberträger sein könnte. Weil wir uns distanziert und entwertet fühlen, wenn wir aus sozialen Begegnungsräumen durch „Social Distancing“ ausgeschlossen werden.

Dabei brauchen wir gerade in einer Krise wie jetzt in der Corona-Krise menschliche Begegnungen dringender denn je. Denn nur auf Grundlage guter vertrauensvoller Beziehungen können positive zukunftsorientierte Erfahrungen gemacht werden. Und positiv in die Zukunft zu blicken, das ist es, was wir jetzt brauchen.

Stattdessen blicken wir seit Wochen auf die Angst und auf den Tod. Die gesellschaftlichen Mechanismen der Verdrängung und Verleugnung von Angst und Tod würden aktuell nicht mehr greifen, meint Roth. Und von den drei traditionellen Bewältigungsmechanismen – Religion, Magie und Wissenschaft – würden sich allein die medizinische Wissenschaft mit der Aussicht auf einen Impfstoff Hoffnung verbreiten. Wobei „die Magie in diesen Tagen ersetzt wird durch Verschwörungstheorien, die da meinen, für die Pandemie nun Ursachen und Schuldige gefunden zu haben.“

Ja klar, wer verwundet wurde, sucht meist Schuldige. Und wir alle wurden in den vergangenen Coronavirus-Tagen verwundet. Verwundet zu werden, tut immer weh und braucht seine Zeit, um zu heilen. Heilung kann jedoch immer erst dann gelingen, wenn wir nicht mehr von Vergangenem auf das Heute schließen und im Hier und Jetzt ankommen.

Fotocredit: Waraporn Wattanakul / shutterstock.com

Wolfgang Martin Roth wird übrigens bei den Europäischen Toleranzgesprächen http://fresach.org am 28. Mai online an der Diskussionsrunde „Auszug aus der Gemeinschaft: Strategien gegen den Egoismus“ teilnehmen. Jeder kann hier kostenlos online dabei sein. Weitere Infos siehe: www.pressetext.com/news/20200423003

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